Inhalt · 8 Abschnitte
- Was sind herrenlose Grundstücke rechtlich gesehen?
- Wie viele herrenlose Grundstücke gibt es in Deutschland?
- Wie findest du herrenlose Grundstücke in Deutschland?
- Grundbuch als Recherche-Tool: Eigentümer ermitteln
- Wie eignest du dir herrenlose Grundstücke an?
- Regionale Unterschiede: Herrenlose Grundstücke nach Bundesland
- Risiken & Kosten beim Erwerb herrenloser Grundstücke
- Fazit: Lohnt sich die Suche nach herrenlosen Grundstücken?
Ein verwilderter Hof am Ortsrand, seit Jahren kein Licht im Fenster, die Zufahrt zugewachsen: Wer so ein Objekt entdeckt, denkt schnell an ein Schnäppchen ohne Eigentümer. Herrenlose Grundstücke gibt es in Deutschland tatsächlich, allerdings deutlich seltener und rechtlich enger definiert als der Begriff im Alltag vermuten lässt. Der Weg zur Übernahme führt fast immer über den Staat, weil das Aneignungsrecht nach § 928 BGB beim Fiskus des jeweiligen Bundeslandes liegt. Wenn du dich für solche Flächen interessierst, brauchst du drei Dinge: Kenntnis der Rechtslage, die richtigen Behördenkontakte und eine realistische Kostenrechnung.
Zusammenfassung: Herrenlose Grundstücke in Deutschland
- Rechtliche Definition: Ein herrenloses Grundstück entsteht nur durch die formelle Eigentumsaufgabe nach § 928 Abs. 1 BGB beim Grundbuchamt, nicht durch bloßen Leerstand.
- Aneignungsrecht: Nur der Fiskus des jeweiligen Bundeslandes darf sich ein solches Grundstück aneignen. Du kannst es danach vom Land kaufen oder das Aneignungsrecht selbst erwerben.
- Neu 2026: Der BGH hat entschieden, dass der Verkauf eines Aneignungsrechts ein Rechtskauf ist und kein gemeindliches Vorkaufsrecht auslöst (Az. V ZB 41/25).
- Recherche: Offizielle Anlaufstellen sind Landesbehörden wie LBIH Hessen, BLB NRW, BLB Brandenburg oder SIB Sachsen sowie das Grundbuchamt beim Amtsgericht.
- Risiken nicht unterschätzen: Altlasten, Erschließungskosten, Grundsteuer-Rückstände und Sanierungsbedarf relativieren den vermeintlich günstigen Preis oft komplett.
Was sind herrenlose Grundstücke rechtlich gesehen?
Im Alltag heißt jede Fläche „herrenlos”, die leer steht, verwildert ist oder deren Eigentümer niemand kennt. Juristisch ist der Begriff eng gefasst und beschreibt eine sehr spezielle Situation, die nur durch einen bewussten Rechtsakt entsteht.
Definition: Herrenloses Grundstück
Ein herrenloses Grundstück ist ein Grundstück, dessen bisheriger Eigentümer das Eigentum nach § 928 BGB formell aufgegeben hat. Die Aufgabe (Dereliktion) wird durch eine notariell beglaubigte Verzichtserklärung gegenüber dem Grundbuchamt wirksam und im Grundbuch eingetragen. Das Grundstück gehört damit vorübergehend niemandem, bis der Fiskus sein Aneignungsrecht ausübt.
Herrenlose Grundstücke vs. verlassene Häuser mit unbekanntem Eigentümer
Der Unterschied ist grundlegend. Ein verlassenes Haus oder eine verwilderte Parzelle mit unbekanntem Eigentümer ist nicht herrenlos im Rechtssinne. Solange kein formeller Verzicht erklärt wurde, existiert immer ein Eigentümer, auch wenn er schwer zu finden ist, im Ausland lebt oder längst verstorben ist. Im Todesfall geht das Eigentum an die Erben über. Sind keine Erben vorhanden oder ermittelbar, fällt der Nachlass nach dem Erbrecht ebenfalls an den Fiskus, aber über einen anderen Weg als bei der Dereliktion.
Herrenlose Grundstücke entstehen also nicht durch Verfall, sondern durch eine aktive Entscheidung. Das passiert vor allem dann, wenn ein Grundstück wirtschaftlich nichts mehr wert ist: hohe Abrisskosten, vermutete Altlasten, offene Erschließungsbeiträge oder eine Lage, für die sich kein Käufer findet. Grundsteuer und Verkehrssicherungspflicht laufen trotzdem weiter, und irgendwann ist der Verzicht für den Eigentümer die günstigere Variante.
§ 928 BGB: Die gesetzliche Grundlage im Überblick
§ 928 BGB regelt beides, die Aufgabe des Eigentums und das anschließende Aneignungsrecht. Nach Absatz 1 erklärt der Eigentümer den Verzicht gegenüber dem Grundbuchamt, woraufhin sein Eigentum erlischt. Nach Absatz 2 steht das Recht zur Aneignung dem Fiskus des Bundeslandes zu, in dem das Grundstück liegt. Der Fiskus erwirbt das Eigentum durch Eintragung im Grundbuch, ist dazu aber nicht verpflichtet. Ein Aneignungsrecht für Privatpersonen kennt das Gesetz nicht. Weitere Grundlagen zum Kauf und zu Eigentümerpflichten findest du im Ratgeber-Bereich Mieten & Kaufen.
Wie viele herrenlose Grundstücke gibt es in Deutschland?

Eine bundesweit einheitliche Statistik existiert nicht, weil jedes Land seine Liegenschaften selbst verwaltet und unterschiedlich erfasst. Die verfügbaren Zahlen zeigen jedoch ein klares regionales Muster.
Ostdeutschland als Schwerpunkt: Sachsen, Brandenburg, Thüringen & Sachsen-Anhalt
Laut einer Auswertung von Immowelt (2026) liegt der Schwerpunkt eindeutig in den neuen Bundesländern. Ursache sind ungeklärte Eigentumsverhältnisse aus DDR-Zeiten, Abwanderung aus strukturschwachen Regionen und Objekte, deren Sanierung teurer wäre als der erzielbare Verkaufspreis.
| Bundesland | Betroffene Grundstücke bzw. Objekte | Quelle |
|---|---|---|
| Sachsen | mehr als 800 | Immowelt (2026) |
| Brandenburg | über 500 | Immowelt (2026) |
| Thüringen | über 400 | Immowelt (2026) |
| Sachsen-Anhalt | mehrere Tausend leerstehende bzw. herrenlose Objekte | Immowelt (2026) |
Wenn du gezielt nach herrenlosen Grundstücken in Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Thüringen suchst, hast du damit statistisch die besten Chancen. In Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder München ist der Bestand dagegen minimal, weil dort praktisch jede Fläche einen Marktwert hat, der über den Lasten liegt. Umgekehrt gilt: Je günstiger ein Objekt, desto wahrscheinlicher ist ein handfester Grund dafür.
Wie findest du herrenlose Grundstücke in Deutschland?
Du findest herrenlose Grundstücke vor allem über offizielle Landesbehörden wie LBIH Hessen, BLB NRW oder BLB Brandenburg sowie über das Grundbuchamt.
Die Suche verlangt Geduld und den richtigen Zugang zu Behördeninformationen. Eine zentrale bundesweite Datenbank gibt es nicht, stattdessen sind unterschiedliche Landes- und Kommunalstellen zuständig.
Offizielle Listen und Behördenportale nutzen
Einige Länder informieren aktiv über ihren Bestand. Der LBIH Hessen führt eine eigene Informationsseite mit Hinweisen für Immobilieninteressenten und benennt Objekte, die aktuell im Vertrieb sind. Der BLB Brandenburg erläutert das Aneignungsrecht des Landes nach § 928 BGB und veröffentlicht Verzichtserklärungen. Der BLB NRW bietet einen Service für Immobilieninteressenten, über den staatliche Liegenschaften recherchierbar sind.
Zusätzlich lohnen sich diese Anlaufstellen:
- Kommunale Liegenschaftsämter: Städte und Gemeinden verwalten eigene Flächen und wissen meist genau, wo Eigentumsverhältnisse ungeklärt sind.
- Amtsgerichte (Grundbuchämter): Nur hier erfährst du verbindlich, ob ein Grundstück als herrenlos eingetragen ist oder wer als Eigentümer geführt wird.
- Notare: Sie unterstützen bei der Recherche und übernehmen die formelle Antragstellung.
- Landesfinanzverwaltungen: In Ländern ohne spezialisierten Liegenschaftsbetrieb läuft die Zuständigkeit über die Oberfinanzdirektion oder das Finanzministerium.
Eine öffentlich zugängliche Gesamtübersicht im Sinne einer bundesweiten Liste herrenloser Grundstücke existiert nicht. Wer im Netz auf solche Listen stößt, landet in der Regel bei Sammlungen einzelner Landesbehörden oder bei privaten Portalen mit unklarer Datenbasis.
Gibt es herrenlose Häuser kostenlos oder zu verschenken?
Suchbegriffe wie „herrenlose Häuser Liste” oder „zu verschenken” versprechen mehr, als die Praxis hergibt. Der Fiskus ist an haushaltsrechtliche Vorgaben gebunden und darf Grundstücke grundsätzlich nicht verschenken, sondern muss sie zu einem angemessenen Preis verwerten. Symbolische Kaufpreise kommen vor, wenn ein Objekt kaum verwertbar ist, sind aber die Ausnahme und meist mit Auflagen verbunden, etwa einer Bau- oder Sanierungsverpflichtung.
Angebote von Häusern „zum Verschenken” stammen fast immer von privaten Eigentümern, die ihre Lasten loswerden wollen. Rechtlich sind das normale Grundstücksgeschäfte mit notariellem Vertrag, Grunderwerbsteuer beziehungsweise Schenkungsteuer und voller Haftung für alles, was auf dem Grundstück liegt. Genau deshalb ist die Prüfung wichtiger als der Preis.
Plattformen wie leerstandsmelder.de erfassen von Nutzern gemeldete Leerstände und liefern erste Hinweise. Die rechtliche Situation musst du für jedes Objekt separat über das Grundbuchamt klären, weil eine Meldung nichts über das Eigentum aussagt.
Verlassenes Bauernhaus kaufen: Wo suchen?
Der Wunsch nach dem alten Hof im Grünen ist verbreitet, trifft aber selten auf echte herrenlose Grundstücke. Solche Objekte haben meist einen Eigentümer, der sie einfach nicht vermarktet. Diese Wege führen weiter:
- Immobilienportale mit Fokus auf ländliche Objekte: In strukturschwachen Regionen tauchen dort regelmäßig günstige Bestandsobjekte auf.
- Kommunale Leerstandsbörsen: Viele Gemeinden in schrumpfenden Regionen vermitteln aktiv zwischen Eigentümern und Interessenten.
- Direkte Ansprache vor Ort: Bauamt, Gemeindeverwaltung und Ortsvorsteher wissen, welche Häuser seit Jahren leer stehen.
- Zwangsversteigerungstermine: Die Amtsgerichte veröffentlichen Termine, oft mit Verkehrswertgutachten, das dir eine erste Einschätzung liefert.
Bei einem Bestandsgebäude solltest du früh mit einem Sachverständigen durchgehen, wo die echten Kostentreiber liegen. Feuchte Wände sind der Klassiker, und wie du Schimmel erkennen und einschätzen kannst, entscheidet häufig über die gesamte Kalkulation.
Grundbuch als Recherche-Tool: Eigentümer ermitteln

Das Grundbuch ist kein öffentliches Register. Der Zugang ist nach § 12 GBO an den Nachweis eines berechtigten Interesses geknüpft. Ohne diesen Nachweis wird dein Antrag abgelehnt.
Das Grundbuch ist das zentrale Instrument, um Eigentumsverhältnisse zu klären. Es enthält Angaben zum Eigentümer, zu Belastungen wie Hypotheken und Grundschulden sowie zu Dienstbarkeiten und Wegerechten. Für die Recherche zu herrenlosen Grundstücken ist es unverzichtbar, weil nur hier der Verzicht nach § 928 BGB dokumentiert ist.
Grundbuch einsehen: So gehst du Schritt für Schritt vor
- Zuständiges Grundbuchamt ermitteln: Es sitzt beim Amtsgericht des Bezirks, in dem das Grundstück liegt. Die Zuständigkeit richtet sich nach der Gemeinde, nicht nach deinem Wohnort.
- Flurstück identifizieren: Ohne Gemarkung, Flur und Flurstücksnummer kann das Amt nicht suchen. Diese Daten liefert das Liegenschaftskataster oder das kostenlose Geoportal deines Bundeslandes.
- Antrag auf Einsicht stellen: Schriftlich oder persönlich beim Grundbuchamt, in mehreren Ländern auch über das elektronische Grundbuchportal.
- Berechtigtes Interesse nachweisen: Ein kurzes Schreiben, das dein konkretes Kaufvorhaben beschreibt, reicht in der Regel aus.
- Grundbuchauszug anfordern: Der Auszug zeigt Eigentümer, Belastungen und Vermerke. Für den einfachen Auszug fällt nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz eine geringe Gebühr an, beglaubigte Auszüge sind teurer.
- Eigentümer kontaktieren: Ist ein Eigentümer eingetragen, läuft die Kontaktaufnahme sinnvollerweise über Notar oder Anwalt, gerade wenn die Adresse veraltet ist.
Auskünfte zu den Voraussetzungen der Einsicht und zur Notarsuche gibt die Bundesnotarkammer.
Berechtigtes Interesse: Wann darfst du Einsicht beantragen?
Das berechtigte Interesse liegt vor, wenn ein sachlich nachvollziehbarer Grund über bloße Neugier hinausgeht. Anerkannt sind unter anderem:
- ernsthaftes Kaufinteresse an einem konkreten Grundstück
- nachbarschaftliche Betroffenheit, etwa bei Grenz- oder Wegestreitigkeiten
- Gläubigerinteresse bei bestehenden Forderungen gegen den Eigentümer
- erbrechtliche Ermittlungen
Auch wer selbst verkauft und dabei auf angrenzende Problemflächen stößt, hat ein nachvollziehbares Interesse. Wenn du ein Einfamilienhaus verkaufen willst und die Nachbarparzelle seit Jahren verwildert, kann eine Grundbuchrecherche für die Bewertung relevant sein.
Wie eignest du dir herrenlose Grundstücke an?

Die Aneignung durch eine Privatperson ist nach deutschem Recht nicht möglich, das ist der häufigste Irrtum zum Thema. § 928 Abs. 2 BGB weist das Recht ausdrücklich dem Fiskus zu. Über den Staat kannst du aber sehr wohl an solche Flächen kommen.
Wer hat das Aneignungsrecht?
Zuständig ist der Fiskus des Bundeslandes, in dem das Grundstück liegt. Er kann von seinem Recht Gebrauch machen, muss es aber nicht. In der Praxis prüfen die Länder genau: Ist ein Grundstück mit Altlasten oder Abrisskosten belastet, die den Wert übersteigen, bleibt es im Zustand der Herrenlosigkeit liegen, weil der Fiskus mit der Eintragung auch alle Pflichten übernehmen würde. Der Staatsbetrieb SIB in Sachsen erläutert diese Praxis auf seiner Seite zu Aneignungsrechten.
Hat sich der Fiskus eingetragen, behandelt er das Grundstück wie jeder andere Eigentümer: behalten, entwickeln oder verkaufen. Als Interessent meldest du dich bei der zuständigen Landesbehörde und lässt dich für künftige Angebote vormerken. Eine Garantie auf einen Erwerb gibt es nicht, aber viele Stellen sind froh über solvente Käufer.
Neu 2026: BGH stärkt den Kauf des Aneignungsrechts
Eine wichtige Weichenstellung kommt aus der Rechtsprechung. Laut einem Beschluss des Bundesgerichtshofs (Az. V ZB 41/25, zusammengefasst bei Rechtsanwalt Krau) ist der Verkauf eines Aneignungsrechts durch den Fiskus an eine Privatperson als Rechtskauf einzuordnen und löst kein gemeindliches Vorkaufsrecht aus. Die Eintragung im Grundbuch ist damit ohne Negativattest der Gemeinde möglich.
Für dich bedeutet das in der Praxis: Das Land muss sich nicht zwingend selbst als Eigentümer eintragen, sondern kann dir das Aneignungsrecht direkt verkaufen. Du eignest dir das Grundstück anschließend selbst an. Das verkürzt das Verfahren, weil ein Zwischenschritt und die Abstimmung mit der Gemeinde entfallen.
Schritt für Schritt: So läuft die Aneignung ab
- Eigentumsaufgabe durch den bisherigen Eigentümer: Der Verzicht wird notariell beglaubigt gegenüber dem Grundbuchamt erklärt. Ohne diese Form ist er unwirksam.
- Eintragung im Grundbuch: Das Grundbuchamt trägt die Herrenlosigkeit ein. Ab diesem Moment gehört das Grundstück niemandem.
- Prüfung durch den Fiskus: Die Landesbehörde bewertet Lage, Lasten und Verwertbarkeit und entscheidet über die Ausübung des Aneignungsrechts.
- Aneignung oder Verkauf des Aneignungsrechts: Entweder trägt sich das Land als Eigentümer ein oder es überträgt das Aneignungsrecht gegen Entgelt an einen Interessenten.
- Notarieller Vertrag und Umschreibung: Der Erwerb läuft wie jeder Grundstückskauf mit notarieller Beurkundung, Grunderwerbsteuer und Eintragung ins Grundbuch.
Für die Finanzierung solltest du früh mit deiner Bank sprechen. Sanierungsobjekte ohne belastbaren Verkehrswert werden oft nur mit zusätzlichen Sicherheiten finanziert, etwa über eine Bürgschaftserklärung beim Immobilienkauf.
Regionale Unterschiede: Herrenlose Grundstücke nach Bundesland
| Bundesland | Zuständige Stelle | Informationsportal |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | BLB NRW | blb.nrw.de |
| Bayern | Immobilien Freistaat Bayern | stmb.bayern.de |
| Hessen | LBIH Hessen | lbih.hessen.de |
| Sachsen | SIB Sachsen | immobilien.sachsen.de |
| Brandenburg | BLB Brandenburg | blb.brandenburg.de |
| Rheinland-Pfalz | LBB Rheinland-Pfalz | lbb.rlp.de |
| Sachsen-Anhalt | Landesverwaltungsamt / Finanzministerium | mf.sachsen-anhalt.de |
| Niedersachsen | Staatliches Baumanagement / OFD | nlbl.niedersachsen.de |
| Berlin | Senatsverwaltung für Finanzen, BIM | berlin.de |
| Hamburg | Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen | hamburg.de |
| Baden-Württemberg | Vermögen und Bau Baden-Württemberg | vbv.landbw.de |
Wie transparent das Thema behandelt wird, unterscheidet sich stark. Manche Länder pflegen eigene Themenseiten mit Objektlisten, andere geben Auskunft nur auf konkrete Anfrage.
NRW, Bayern & Brandenburg
Nordrhein-Westfalen: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW ist die zentrale Anlaufstelle. Eine dauerhaft geführte öffentliche Liste herrenloser Grundstücke in NRW gibt es nicht, dafür veröffentlicht der BLB regelmäßig Verkaufsangebote für Landesliegenschaften. Anfragen zu konkreten Flurstücken beantwortet die zuständige Niederlassung.
Bayern: Zuständig ist die staatliche Immobilienverwaltung des Freistaats, in der Praxis über die Immobilienabteilungen der Finanzämter und Bezirksfinanzdirektionen. Herrenlose Grundstücke in Bayern sind zahlenmäßig überschaubar, weil der Marktwert selbst in Randlagen meist über den Lasten liegt.
Brandenburg: Hier ist die Informationslage vergleichsweise gut. Der BLB Brandenburg erläutert das Aneignungsrecht des Landes nach § 928 BGB und veröffentlicht Verzichtserklärungen, was die Recherche deutlich erleichtert. Zusammen mit den über 500 betroffenen Objekten laut Immowelt (2026) ist Brandenburg eines der ergiebigsten Suchgebiete.
Hessen, Sachsen & Rheinland-Pfalz
Hessen: Der LBIH betreibt eine eigene Seite zum Thema, weist auf Objekte im Vertrieb hin und nennt direkte Ansprechpartner. Für Einsteiger ist das der einfachste Zugang zum Thema.
Sachsen: Der SIB informiert über Aneignungsrechte und die Behandlung herrenloser Flächen. Mit mehr als 800 betroffenen Grundstücken (Immowelt, 2026) ist Sachsen zahlenmäßig führend, was auch mit dem hohen Anteil an Altbebauung in schrumpfenden Kommunen zusammenhängt.
Rheinland-Pfalz: Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung ist zuständig. Die Informationslage ist zurückhaltender als in Hessen, eine gezielte Anfrage an den LBB oder das Finanzministerium führt aber zum richtigen Ansprechpartner.
Berlin, Hamburg, Niedersachsen & Baden-Württemberg
In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg spielen herrenlose Grundstücke praktisch keine Rolle, weil Flächen dort einen deutlichen Marktwert haben. Vereinzelt gibt es Restflächen, etwa Reste alter Wegeparzellen oder unbebaubare Splitterflächen, die für Nachbarn interessant sein können. Anfragen laufen über die Senatsverwaltung für Finanzen beziehungsweise den Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen.
In Niedersachsen und Baden-Württemberg läuft die Zuständigkeit über die staatliche Bau- und Vermögensverwaltung. Eine themenspezifische Übersichtsseite fehlt, deshalb ist der schnellste Weg die schriftliche Anfrage zu einem konkreten Flurstück, idealerweise mit Gemarkung und Flurstücksnummer aus dem Geoportal des Landes.
Nordrhein-Westfalen
BLB NRW, Bau- und Liegenschaftsbetrieb, Service für Immobilieninteressenten
Bayern
Immobilien Freistaat Bayern über Finanzämter und Bezirksfinanzdirektionen
Hessen
LBIH, Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, mit eigener Themenseite
Sachsen
SIB, Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Infos zu Aneignungsrechten
Brandenburg
BLB Brandenburg, Liegenschaftsmanagement mit Verzichtserklärungen
Sachsen-Anhalt
Finanzministerium und Landesverwaltungsamt, Anfrage zum Flurstück
Risiken & Kosten beim Erwerb herrenloser Grundstücke
Grundstücke werden meist deshalb aufgegeben, weil Sanierung, Altlastenbeseitigung oder Erschließung mehr kosten als die Fläche wert ist. Ein niedriger Kaufpreis ist deshalb kein Beweis für ein gutes Geschäft, sondern ein Hinweis auf versteckte Lasten.
Rechne bei einem solchen Objekt nicht mit dem Kaufpreis, sondern mit den Gesamtkosten bis zur Nutzbarkeit. Diese Positionen entscheiden darüber, ob sich der Erwerb trägt:
| Kostenposition | Was dahintersteckt | Wo du das klärst |
|---|---|---|
| Altlasten | Bodenverunreinigung aus früherer gewerblicher Nutzung, Heizöltanks, Bauschutt | Altlastenkataster des Landes, Bodengutachten |
| Erschließung | Fehlende Anschlüsse für Strom, Wasser, Abwasser, Zufahrt | Tiefbauamt, Versorger, Gemeinde |
| Grundsteuer und Abgaben | Rückstände, die als Grundstückslast auf dich übergehen können | Finanzamt, Kämmerei der Gemeinde |
| Baurecht | Bebaubarkeit, Bestandsschutz, Abstandsflächen | Bebauungs- und Flächennutzungsplan im Bauamt |
| Denkmalschutz | Auflagen zu Material, Optik und Verfahren | Untere Denkmalschutzbehörde, Landesdenkmalamt |
| Sanierung oder Abriss | Statik, Dach, Feuchte, Schadstoffe wie Asbest | Sachverständigengutachten vor Kaufpreisverhandlung |
Altlasten, Erschließungskosten & Grundsteuer-Rückstände
Altlasten im Boden sind das größte Einzelrisiko, besonders bei ehemaligen Gewerbe-, Tankstellen- oder Industrieflächen. Die Sanierung kann den Grundstückswert um ein Vielfaches übersteigen, und als Eigentümer haftest du auch für Verunreinigungen, die du nicht verursacht hast. Das Umweltbundesamt gibt einen Überblick über Altlastenkataster und Recherchemöglichkeiten, die Auskunft selbst erteilt die zuständige Bodenschutzbehörde.
Erschließungskosten treffen dich voll, wenn Strom, Trinkwasser, Kanal oder eine befahrbare Zufahrt fehlen. Bei Splitterflächen im Außenbereich ist der Anschluss manchmal technisch machbar, aber wirtschaftlich sinnlos. Kläre vorab schriftlich beim Tiefbauamt, welche Leitungen bis an die Grundstücksgrenze reichen und ob Beiträge noch offen sind.
Grundsteuer-Rückstände und kommunale Abgaben können als öffentliche Last auf dem Grundstück ruhen und mit dem Eigentum übergehen. Eine Abfrage beim Finanzamt und bei der Gemeinde gehört deshalb zur Pflichtprüfung, nicht zur Kür.
Ungeklärte Baurechte sind der zweite Klassiker. Nicht jedes Grundstück ist bebaubar, und ein altes Gebäude bedeutet nicht automatisch Bestandsschutz. Wenn du langfristig ohnehin klein bauen willst, kann sich der Vergleich mit anderen Wohnformen lohnen, etwa mit den Kosten eines Tiny House.
Checkliste: Was prüfen, bevor du ein herrenloses Grundstück übernimmst?
- Grundbuchauszug: Eigentümer, Belastungen, Dienstbarkeiten und Vermerke zur Herrenlosigkeit prüfen.
- Bodenzustand: Altlastenkataster des Bundeslandes abfragen, bei Verdacht ein Bodengutachten beauftragen.
- Erschließungsstatus: Beim Tiefbauamt und bei den Versorgern schriftlich klären, welche Anschlüsse vorhanden sind.
- Offene Forderungen: Grundsteuer, Straßenausbau- und Anschlussbeiträge bei Finanzamt und Gemeinde erfragen.
- Bebaubarkeit: Bebauungsplan und Flächennutzungsplan einsehen, notfalls eine Bauvoranfrage stellen.
- Denkmalschutz: Bei Bestandsgebäuden die Schutzstellung und die Auflagen abklären.
- Sanierungskosten: Sachverständigengutachten einholen, bevor ein Preis verhandelt wird. Schon einfache Gewerke summieren sich, wie der Vergleich der Kosten für Malerarbeiten zeigt.
- Finanzierung und Puffer: Mindestens einen Reservebetrag für Überraschungen einplanen, die bei Altobjekten die Regel sind.
Fazit: Lohnt sich die Suche nach herrenlosen Grundstücken?
Echte herrenlose Grundstücke sind seltener als der Begriff suggeriert, und den direkten Zugriff durch Aneignung hast du als Privatperson nicht. Der Weg führt über die Landesbehörden, entweder als Kauf vom Fiskus oder, seit dem BGH-Beschluss zum Rechtskauf des Aneignungsrechts, als Erwerb des Aneignungsrechts selbst. Wer Geduld für Behördenwege mitbringt und im Osten Deutschlands sucht, findet dabei die größten Bestände, allen voran in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen.
Entscheidend bleibt die Prüfung vor dem Vertrag. Grundbuch, Altlastenkataster, Erschließungsstatus und Baurecht kosten dich einige Wochen Recherche, verhindern aber genau den Fehler, der bei diesen Objekten am teuersten ist: ein Grundstück zu kaufen, das sein voriger Eigentümer aus gutem Grund abgegeben hat. Wenn diese Prüfung positiv ausfällt und die Lage zu deinen Plänen passt, kann ein solches Grundstück eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten sein, günstig an Bauland oder ein Sanierungsobjekt zu kommen.
Häufige Fragen
Was ist ein herrenloses Grundstück im rechtlichen Sinne?
Ein herrenloses Grundstück ist ein Grundstück, dessen Eigentümer das Eigentum nach § 928 BGB formell aufgegeben hat. Der Verzicht wird beim Grundbuchamt erklärt und eingetragen. Das Grundstück gehört damit zunächst niemandem mehr, bis der Fiskus des jeweiligen Bundeslandes sein gesetzliches Aneignungsrecht ausübt.
Kann ich ein herrenloses Grundstück einfach besetzen oder nutzen?
Nein. Das bloße Besetzen oder eigenmächtige Nutzen eines herrenlosen Grundstücks ist rechtlich nicht erlaubt und kann als Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung gewertet werden. Das gesetzliche Aneignungsrecht liegt ausschließlich beim Fiskus. Privatpersonen können das Grundstück erst erwerben, wenn der Staat es zum Verkauf anbietet.
Wie finde ich herrenlose Grundstücke in meiner Region?
Herrenlose Grundstücke lassen sich über offizielle Landesbehörden recherchieren, etwa den LBIH Hessen, den BLB NRW, den BLB Brandenburg oder das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB). Zusätzlich helfen Grundbuchrecherchen beim zuständigen Amtsgericht sowie kommunale Liegenschaften- und Bauämter weiter.
Gibt es herrenlose Grundstücke kostenlos oder zu verschenken?
Kostenlos abgeben darf der Fiskus solche Flächen in der Regel nicht, weil er an haushaltsrechtliche Vorgaben gebunden ist. Sehr niedrige Kaufpreise kommen vor, wenn ein Grundstück kaum verwertbar ist. Listen mit Häusern zum Verschenken stammen meist von privaten Portalen und betreffen Objekte mit Eigentümer, nicht echte herrenlose Grundstücke.
Wer bekommt ein herrenloses Grundstück, Staat oder Privatperson?
Zunächst fällt das Grundstück an den Fiskus des jeweiligen Bundeslandes, der das Aneignungsrecht nach § 928 Abs. 2 BGB besitzt. Privatpersonen können das Grundstück anschließend vom Staat kaufen oder das Aneignungsrecht selbst erwerben, sofern das Land es anbietet. Ein direktes Aneignungsrecht für Privatpersonen existiert nicht.
Wie läuft die Aneignung eines herrenlosen Grundstücks ab?
Der bisherige Eigentümer erklärt den Verzicht notariell beglaubigt beim Grundbuchamt. Das Grundstück wird als herrenlos im Grundbuch eingetragen. Anschließend übt der Fiskus sein Aneignungsrecht aus, trägt sich als neuer Eigentümer ein und kann das Grundstück danach an Privatpersonen oder Institutionen verkaufen.
Welche Risiken gibt es beim Kauf eines herrenlosen Grundstücks?
Zu den häufigsten Risiken zählen Altlasten im Boden, offene Erschließungskosten, Grundsteuer-Rückstände sowie ungeklärte Baurechte. Bei Bestandsgebäuden kommen oft erhebliche Sanierungskosten hinzu. Eine gründliche Prüfung von Grundbuch, Bebauungsplan und Bodenzustand vor dem Kauf ist deshalb Pflicht.
Wo kann ich das Grundbuch einsehen, um den Eigentümer zu ermitteln?
Das Grundbuch kann beim zuständigen Amtsgericht (Grundbuchamt) oder über das elektronische Grundbuchportal eingesehen werden. Voraussetzung ist der Nachweis eines berechtigten Interesses nach § 12 GBO, etwa als ernsthafter Kaufinteressent. Notare können bei der Antragstellung unterstützen.
In welchen Bundesländern gibt es besonders viele herrenlose Grundstücke?
Der Schwerpunkt liegt in Ostdeutschland. Laut einer Auswertung von Immowelt (2026) sind in Sachsen mehr als 800, in Brandenburg über 500 und in Thüringen über 400 Grundstücke betroffen, in Sachsen-Anhalt geht es um mehrere Tausend leerstehende beziehungsweise herrenlose Objekte.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz, § 928 BGB gesetze-im-internet.de
- LBIH Hessen, Herrenlose Grundstücke lbih.hessen.de
- BLB NRW, Service für Immobilieninteressenten blb.nrw.de
- Staatsbetrieb SIB Sachsen, Aneignungsrechte immobilien.sachsen.de
- BLB Brandenburg, Herrenlose Grundstücke blb.brandenburg.de
- BGH-Beschluss Az. V ZB 41/25 (Zusammenfassung) rechtsanwalt-krau.de
- Umweltbundesamt, Altlasten umweltbundesamt.de
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